Zwei Wochen ist es her, da war ich in Israel. Eigentlich war ursprünglich eine Städtereise nach Tel Aviv geplant, doch schon bald merkten wir, dass alles rundherum einiges interessanter sein würde als diese eine Grossstadt am Meer. So planten wir eine Turbo-Rundreise mit eigenem Auto im nördlichen und zentralen Israel.
Tag 1: morgens mit unseren Staff-Tickets nach TLV geflogen, nette Filme geschaut. Bei der Einreise bereits erste Probleme: mein Begleiter hatte einen Libanon-Stempel im Pass – es folgten eine Stunde Warten, bevor er seine Flughafen-Staff-Karte zückte & wir unverzüglich einreisen konnten. Bis wir das Auto geholt hatten, ich mich noch erleichtert hatte & wir wussten, wohin wir überhaupt fahren wollten, war es dunkel. So tuckerten wir nach En Gedi am toten Meer, hielten unterwegs in einem orientalischen Restaurant an & assen unser erstes Hummus. Es würde nicht unser letztes bleiben…nach Abklappern der Jugis & der Field School entschieden wir uns für die billigste Variante, setzten uns zu drei anderen Reisenden (eine Amerikanerin, ein Slowake und eine Deutsch-Südafrikanerin) & redeten bis tief in die Nacht.
Tag 2: noch vor Sonnenaufgang aufgestanden packten wir ein bisschen Proviant ein & fuhren nach Masada, eine ehemalige jüdische Festung auf einem Berg (guggsch du Wikipedia). Wir spurteten die angeblich stündige Wanderung in 35 Minuten ab & sahen dennoch kaum den Sonnenaufgang. Einmal im Jahr hats dort Nebel – wir erwischten diesen Tag. Es war trotzdem schön & wir kauten etwas Pitta-Brot, während die Sonne langsam zu wärmen begann. Dann stolperten wir etwas in den Ruinen herum, spurteten wieder hinunter & gönnten uns ein Frühstück in der Field School. Nach einem Abstecher in einen Kibbutz bzw. dessen Lädeli gings weiter zum Versteckten Wasserfall. Der Weg dorthin war toll und wir freuten uns auf das kühlen Nass. Wir mussten uns jedoch gedulden, bis die Gruppe religiöser Buben abgezogen war, bevor wir (Frauen) unsere Luxuskörper im Bikini zeigen durften. Der Wasserfall war zwar eher in Wasserfällchen, aber dennoch nett. Das Beste kam aber erst: kaum zurück gings ans tote Meer. Das war wirklich ein Erlebnis! Abgesehen davon, dass man tatsächlich nicht untergeht & die Haut ganz “seifig” wird, habe ich zwei Dinge gelernt: auch nur den salzigen Finger in den Mund nehmen könnte für eine Jod-Vergiftung reichen und ein Spritzer ins Auge macht einen zum einäugigen Piraten, bis man mit einer Flasche Süsswasser ausgespült hat. Nach einer ausgiebigen Dusche gings weiter nordwärts, einmal durch die Westbank (mit anschliessender gründlicher Kontrolle des Autos & des Inhaltes) und zum See Genezareth, genauer gesagt Tiberias. Dort schlugen wir uns in einem etwas nobleren aber sehr preisgünstigen Restaurant die Bäuche voll & spazierten durch die Strassen.
Tag 3: Auf gings am nächsten Tag noch weiter nordwärts, dem See entlang (der aber nicht so spannend war, wie wir fanden). Kurz nach dem Start gabelten wir eine junge einheimische Dame auf, die zu ihren Eltern fuhr & dann noch eine ältere Deutsche, die zu Fuss verzweifelt ein Kloster suchte, das aber ziemlich weit weg oben am Berg lag. Beide brachten wir glücklich ans Ziel bevor wir in Katzrin ankamen, wo wir uns mit Wein, Olivenöl und Konfitüre eindeckten. Dann wollten wir in die Golan-Höhen. Wir gingen auch tatsächlich, doch es war etwas enttäuschend. Die Strasse führte kurvig in die Höhen, doch die Aussicht war nicht soooo berauschend und oben angekommen waren nicht nur die Skilifte geschlossen wegen Schneemangel, sondern auch die Soldaten überfordert, als wir eine weiterführende Strasse suchten. Irgendwann stellten wir fest, dass die auf unserer Karte eingezeichnete Strasse militärisches Sperrgebiet sein musste. So fuhren wir wieder runter, etwas westlich und dann wieder etwas südlich. Unterwegs wollten wir verschiedene Pärke/Wasserfälle/ Quellen und/oder Festungen besuchen und dort unser Mittagessen einnehmen. Unser Pech wollte es, dass an einem Freitag alles um 15h oder 16h schliesst und wir jedesmal vor verschlossenen Toren standen (ja, auch Naturplätze haben ihre Öffnungszeiten, auch wenn sie gratis sind…). Mein Bauch knurrte & meine gute Laune flog dahin, so mussten wir wegen akuter Explosionsgefahr meinerseits eine Picknickpause einlegen, was wir an einem netten Plätzchen auch taten.
Eigentlich wollten wir weiter nach Safed (auch Zefat oder Zfat genannt), ein hoch religiöses Städtchen und Wiege der kabbalistischen Mystik (oder so). Da wir aber ausgerechnet an einem beginnenden Sabbat & erst noch zu Chanukka dort herumschlichen und voraussichtlich NICHTS geöffnet haben würde, entschieden wir uns doch lieber für das nahegelegene Künstlerstädtchen Rosh Pina. Ein Glückstreffer! Das Wetter war uns zwar nicht mehr hold gesinnt und eine Unterkunft war wegen eines Filmfestivals & 1000 Leuten vom Fernsehen, die dort übernachten wollten, nicht zu bekommen. Doch wir fanden uns mit einer Nacht im Auto ab, genossen himmlische Süssigkeiten im “Chocolate Café”, gingen weiter in eine Bar wo mein Begleiter wieder mal seine unglaublichen Socializing-Fähigkeiten einsetzte & uns ein Bett bei einem israelischen Pärchen bescherte.
Tag 4: Juhui, ausschlafen
Es regnete in Strömen, wir lungerten noch etwas herum und wurden dann gegen Mittag zu einem jemenitischen Frühstück bei einem Bekannten des Pärchens eingeladen. Was wir dort vorgesetzt bekamen war köstlich! Mit vollem Bauch setzten wir unsere Weiterreise fort, begutachteten Safed durch die Regenschwaden & fuhren weiter Richtung Westen, also Richtung Meer. In Akko parkierten wir das Auto & erkundeten die Altstadt zu Fuss und in Dunkelheit. Es war mir nicht ganz so wohl dabei, doch mein Begleiter war unbekümmert, engagierte einen jungen Araber als Stadtführer, der uns sicher zu den Hostels brachte, die wir suchten. Sie waren uns jedoch zu teuer, so gings zurück zum Auto, nicht ohne Abstecher zum Strand, wo ich mir den Wind um die Ohren blasen liess. Im Kibbutz von Nes Amim versuchten wir unser Glück. Die Rezeption war geschlossen, die jungen Helfer gaben jedoch ihr Bestes & offerierten uns ein Schlafplätzen. Wir entschieden uns dennoch fürs Auto. Eingemummelt in unsere Schlafsäcke, mit einer Katze die auf dem Autodach herumturnte & gelegentlichen Regentropfen schliefen wir ein.
Tag 5: Wir durften mit den Helfern frühstücken & wurden sogar dazu eingeladen! Weiter ging unsere Reise nach Norden. Ganz nahe der Grenze zum Libanon befinden sich Höhlen am Meer, Rosh Hanikra genannt. Dort trafen wir auf ein Ami-Pärchen, das wir in Masada bei den Ruinen getroffen hatten – was für ein Zufall! Sie waren ganz aus dem Häuschen, so wie Amis halt sind, inkl. “oh my Gooooosh”
Ein Teil der Gänge war gesperrt wegen hohen Wellen & leichter Überflutung. Doch da wir extremly crazy waren zogen wir einfach unsere Schuhe aus & sprinteten mutig durch das nicht sehr tiefe Wasser in den Gängen. Natürlich nicht ohne vorher abgeklärt zu haben, dass der sichere Ausgang gleich um die Ecke war. Dann überredeten uns die Amis, noch zu einer weiteren Höhle mitzukommen. Diese stellte sich dann eher als “Felsenbogen” heraus, nicht sehr spektakulär, doch wir nutzten den Ort für einige tolle Jump-Bilder. Dann trennten sich unsere Wege, worüber wir nicht sehr unglücklich waren. Wir fuhren wieder südlich, nach Akko, verbrachten den Nachmittag mit Sightseeing und Hummus essen & gingen dann, als es bereits wieder dunkel war, nach Haifa. Der berühmte Mt. Carmel sahen wir bei Nacht, die Aussicht über die Stadt war einfach nur toll! Ich muss aber wohl mal noch bei Tageslicht kommen, denn er ist wirklich – wow! Da wir noch unsicher waren, ob wir gleich weiter nach Jerusalem fahren sollten oder doch lieber in Haifa übernachten sollten, gingen wir erst mal an den Strand etwas trinken. Dass es dazu noch eine ordentliche Wasserpfeife gab will ich hier nicht verleugnen. Es war das erste Mal in meinem Leben und es war lustig
Wir lungerten gemütlich auf den tollen Sitzgelegenheiten herum, plauderten mit der äusserst netten Serviertochter & bekamen von ihr und ihrem Freund eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Leider war ihr Feierabend erst gegen 2Uhr in der Früh. Wir beschlossen, ein Mitternachtsbad im Meer zu nehmen, trotz stürmischem Wind & ungemütlichem Regen. Gesagt, getan. Übermütig stürzten wir uns ins gar nicht so kalte Wasser, sprangen wieder raus & duschten gründlich in der öffentlichen Dusche, nicht ohne verwunderte Blicke von jugendlichen Strandhängern. Dann gings zurück zum Auto, rein in die warmen Kleider & dann übermannte uns der Schlaf. Kurz vor 2h gingen wir zurück zur Bar, doch die war vorzeitig geschlossen, unsere nette Serviertochter weg & es blieb nichts anderes übrig, als zurück zum Auto zu gehen & die restliche Nacht dort zu schlafen.
Tag 6: Ich schlief noch, als mein Begleiter den Motor startete & Richtung Jerusalem losfuhr. Es hatte überall zu viele Autos & so dauerte es länger als geplant, bis wir endlich in Jerusalem ankamen. Zuerst gings zum Mt. of Olives. Ein Parkplatz zu finden in der Nähe der Stadtmauer war ein Ding der Unmöglichkeit, doch nach endlosem Herumkurven hatten wir Glück. Jerusalem in einem Tag – eigentlich eine Verrücktheit bei der Anzahl Sehenswürdigkeiten! Wir beschränkten uns auf ein paar & umrundeten die Stadt auf den Stadtmauern. Bei Einbruch der Dunkelheit waren wir bei der Klagemauer – ein eindrückliches Erlebnis, vor allem als wir danach auf ein Hausdach stiegen & die Szenerie von oben betrachten konnten. Doch wir blieben nicht in Jerusalem. Wir holten unser Auto inkl. Busse (*hüstel*) und brausten Richtung Tel Aviv. Dort gab es wieder mal ein anständiges Bett und eine richtige Dusche, danach folgte eine lange Nacht in einer Disco.
Tag 7: Wir konnten unseren einen Tag in TLV nicht verschlafen! So gings früh raus aus den Federn, um die Metropole zu erkunden. Nach einem Sabich, eine Art israelischer Döner (vegetarisch), streiften wir durch Märkte und Gassen, sassen eine Weile am Strand & bereiteten uns innerlich auf die Rückkehr in die kalte Schweiz vor. Da unser Flug sehr früh am Morgen ging, schlugen wir uns die Nacht um die Ohren. Wir gingen ins Kino, machten Modenschau mit Flohmarktkleidern (ich fotographierte), gönnten uns zum ersten Mal in Israel ein Eis & verpulverten unsere letzten Schekels in einer Bar. Dann gings an den Flughafen.
Tag 8: Nach einer gründlichen Kontrolle unserer Rucksäcke & intensiver Befragung (ich will auf Details nicht eingehen) wurden wir endlich zum Check-in zugelassen. Mein Begleiter flog mit El Al nach Zürich, ich verbrachte den Tag noch am Flughafen, um mein Gepäck gekringelt schlafend und flog am Nachmittag mit der Swiss nach Hause. Weshalb das so war ist eine lange Geschichte, die ich lieber mündlich wiedergebe.
Tja, so ging diese Woche rasend schnell vorbei…so viel gesehen und so viel ist noch zu sehen. Need to go again, glaube ich