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Vom Leben

Into each life some rain must fall
some days must be dark and dreary

Henry Wadsworth Longfellow

Wickeln

So, ich habe meine Gotti-Prüfung bestanden. Den Kleinen gewickelt. War gar nicht sooooo schwer. Wenn er nur nicht gebrüllt hätte wie am Spiess! Ich befürchtete, dass entweder die Polizei wegen häuslicher Gewalt oder die Nachbarn wegen Ruhestörung vorbeikommen würden. Aber das taten sie dann doch nicht und ich konnte mich mit all meinen vorgestellten Muttergefühlen dem Kleinen annehmen. Zuerst trockenes Tüechli, dann feuchtes Tüechli, Windel in blauen Eimer, Papier in den weissen, pudern, schmieren, cremen, ölen, massieren, reiben, tupfen, singen, plappern, trösten. I did it all.
Zum Schluss war der Kleine sauber, trocken und auch wieder ruhig, vor allem als er an meinem T-Shirt zu nuckeln begann. Dort gabs zwar keine Milch aber immerhin mit Baby-Waschmittel gewaschenes Textil. Auch nicht schlecht… :-)

Natur

Weisch i stoh halt uf Natur
Bi allem wo ungschminkt isch und puur
Weiss me vo afang ah, was me erwarta cha
Weisch dört düre bin i stur
Wär mi so nimmt wie i bin
Wird sicher nie im Läba cho und säga
i sigi einisch besser gsi

Plüsch

Um ein Haar

Letzthin war ich mit meinem Motorrad in der Stadt unterwegs.
Gerade wollte ich an einem Autofahrer auf der zweiten Fahrspur vorbei, als dieser ziemlich abrupt bremste. Ich sah nur noch diese kleine, zierliche Frau vor mir auf dem Fussgängerstreifen, so so nah an meinem Motorrad und ich war noch so so viel zu schnell. Ohne auch nur einen Gedanken im Kopf bremste ich voll ab, mein Hinterrad schlug aus und ich bremste weiter und weiter und betete innerlich, die Frau möge stehenbleiben oder ein Wunder geschehen. Ich sah noch, wie sie den Kopf drehte, in meine Richtung schaute und einfach weiterging, während ich Blut schwitzte und mein Motorrad unter Kontrolle zu halten versuchte. Wie ein Wunder stoppte ich etwa einen halben Meter vor dem Crash, das Herz raste, der Körper zitterte und der Motor war aus. Ausser mir hat es wohl niemand gemerkt, wie knapp es war. Vielleicht besser so. Die Lektion hat mir gereicht.

Es ist mit der Liebe wie mit den Pflanzen

Wer Liebe ernten will,
muss Liebe säen.

Gotthelf

Tage wie dieser…

… können mir eigentlich gestohlen bleiben.

Es ist schon ein bisschen her, doch an Aktualität können solche “Tage, an denen alles schief läuft, was schief laufen kann” nicht verlieren.

Das ging etwa so:
Ich hatte nicht viel geschlafen, war frustriert aus der Uni gekommen, da die nette Dame in den Übungen chinesisch zu sprechen schien. Oder einfach sonst ohne jegliches Konzept uns etwas vorbrabbelte. Meine verzweifelten Mitschreib-Versuche arteten in hieroglyphische Kunstwerke aus, welche ich schon nach 5 Minuten nicht mehr einordnen konnte.
Dann musste ich ins Training.

Kaum aus dem Haus gestresst wollte die Sporttasche partout nicht so auf den Gepäckträger, wie ich es wollte. Meine Hände waren schon schwarz und schmierig, als sie endlich einigermassen platziert war. Dann fiel mir ein, dass ich ja noch etwas rausnehmen musste. Natürlich war es zuunterst.
Endlich brauste ich los, von der Neben- in die Hauptstrasse, wo mich bereits ein erster Autofahrer anhupte. Es war eine dicke Sau in einem Offroader. Es ist ja die Schuld der anderen, wenn jemand nicht autofahren kann. Kaum den Mittelfinger wieder eingefahren (neiiin, sowas würde ich NIE tun!) rasselte die Tramglocke und vor Schreck fuhr ich beinahe in die Tramschienen rein, woraus ich vermutlich mit dem Krankenwagen wieder geholt worden wäre. Dies blieb mir zum Glück dann doch erspart. Ich radelte bereits ziemlich verschwitzt und mit rekordverdächtig hohem Adrenalinspiegel weiter. Vor dem Rotlicht dann wieder die unfähigen Autofahrer, die so nahe rechts ranfahren, dass man entweder die Seitenspiegel mitreisst beim Vorbeifahren (teure Sache) oder aufs Trottoir ausweicht (fluchende Fussgänger, teure Sache, wenn die Polizei dabei zuschaut). Also musste ich warten bis es grün wurde. Dann die erst recht unfähigen Autofahrer, die 20 Sekunden Reaktionszeit haben, bis sie merken dass es grün ist und dann trotz 200 PS unter dem Allerwertesten anfahren wie eine Uroma im Rollstuhl.
Plötzlich blockiert mein Fahrrad. Ich steige ab und was sieht mein hölzernes Glasauge? Das Spannset hat sich von meinem nur noch einseitig angeschraubten Gepäckträger gelöst und in den Speichen und im Rad verklemmt. Ich würgte und fluchte und ging mit Gewalt dahinter, bis meine Hände vollständig verschmiert, das Spannset beinahe zerrissen und das Rad befreit war.

Endlich beim Bahnhof angekommen. Geld abheben! Doch wo ist meine EC?! Muss wohl noch in der anderen Tasche sein. Kreditkarte? Zu Hause. Kein Geld, kein Einkauf, nichts zu essen zu Hause. Gut, weiter.

Ich trete aus dem Bahnhofgebäude. Es regnet. Und nicht zu knapp. Tapfer radle ich weiter, mein Ziel vor Augen. Pitschepatsche nass angekommen dann das Highlight: es hat aufgehört zu regnen!

Ach ja, diese Tage. Ihr kennt sie sicher alle auch… :-)

J&S

So, überstanden. Nach zwei strengen Wochenenden ist es soweit: ich bin mit ein paar anderen ausgezeichneten (jedenfalls die meisten) Judokas & Jiukas zur J&S-Leiterin ernannt worden. Wow, trotz allem ein gutes Gefühl :-)

6 Tage Berge von Theorien, Powerpoint-Präsentationen, Gruppen-Arbeiten, Trainings, Lernen, Glacé essen, in der ZSA schlafen, viel lachen & “umebüsele” – was für eine Zeit!

Ich gebe nicht gerne Trainings, ich stehe dazu. Doch vielleicht ändert es sich ja, wenn man mal das Rüstzeugs dafür erhalten hat…

Nach anstrengenden drei Reisetagen kam ich endlich in Iquique an, wo ich freundlich in Empfang genommen wurde, und zwar von einem Kollegen, den ich kaum kannte. Wir lernten uns im Jahr zuvor in Santiago in meiner WG kennen, als er ausgerechnet dann in die Küche platzte, als ich Avocado mit dem Löffel direkt aus der Schale ass. Er fand das dermassen interessant, dass er mich nach Iquique einlud. Dieser Einladung folgte ich dann auch, ein Jahr später. Wir verbrachten drei nette Tage bei Sonne und warmen Temperaturen, gingen an den Strand, besuchten seinen Arbeitsort, gingen jeden Abend in den Ausgang, schliefen bis zum Mittag, gingen in ein Shoppingcenter (und nahmen an einem Wettbewerb teil – gewonnen haben wir aber glaube ich nicht) und erkundeten etwas die Umgebung. Erwähnenswert ist jedoch seine anständige Zurückhaltung (ganz und gar nicht chilenisch eigentlich!) und die obligate Avocado-Zusatzbestellung für mich bei jedem (!) Essen…

Dann gings auch schon weiter Richtung La Serena, wo mich meine hermanita (chli aber oho) nach 18h Busfahrt erwartete. Sehnsüchtig erwartete. Wir verbrachten wiederum ein paar nette Tage bei heiter Sonnenschein und netten Leuten, bevor es mit einem noch nie erlebten Geschleik auf den Bus nach Santiago ging. Das Beste war jedoch die Aussage meiner hermanita: “Ich ha gar nöd so vill Sache!” Neeeeiiiiin. Wir schleppten uns fast zu Tode und entgingen der Rush-Hour in Santiago nur um ein paar Minuten, bevor wir keuchend und schweissüberströmt in der Wohnung einer Kollegin ankamen. Dort hiess es erstmal Rucksack räumen und nur das “Nötigste” in den Süden mitnehmen. Mit 9kg Essen insgesamt und etwa gleich viel Kleidern und anderes Material (pro Person) ging es am selben Abend mit dem Flugzeug nach Puerto Montt. Dann verbrachten wir nette 5 Tage im Süden Chiles (Details siehe chliaberoho.wordpress.com). Noch zu erwähnen wäre unser nettes Trekking im Nationalpark Vicente Perez Rosales de la Fuente Gonzalvez Maria de Jesus Hernandez Fernandez Rodriguez. Die ausgesprochen genaue Karte und die noch besseren Erklärungen der Parkwächter (nach dem vierten trockenen Flussbett links den Berg hoch) liessen uns sehr schnell den falschen Weg nehmen. Es war dennoch hübsch, nur die Wespe hätte mich nicht unbedingt stechen müssen. Nein, halt, Wespen stechen nicht in Chile, sie beissen. Auch gut. Hat ordentlich zugebissen die Kleine…
Im Hostel in Puerto Varas assen wir dann noch nettes hot Thai-Curry (die ganze Paste war vermutlich NICHT für 2,5dl Kokosmilch gerechnet, aber die musste weg). In Chiloe gönnten wir uns eine Schale Heidelbeeren für stolze 2.-CHF und trotz Schaudern und aufgestellten Nackenhaaren besuchten wir konsequent jeden Fischmarkt, insbesondere die Sektion, wo die Viecher auseinandergeschnitten, -gerissen und vermantscht werden. Ein Spektakel für sich. Am Samstagabend gings dann sogar noch auf zum carrete in Puerto Montt. Selten habe ich so viele nicht-schöne Männer auf einem Haufen gesehen. Nicht dass sie alle hässlich waren, so wars dann doch nicht. Doch es war auch kein schöner Herr auszumachen. Immerhin waren sie nicht aufdringlich, das war schon sehr viel wert!
Dann waren die schönen Tage im sonnigen (!) Süden auch schon wieder vorbei und auf gings nach San Vicente de Tagua-Tagua.

Dort erwartetet uns ein Besuch-Marathon. Es war aber ein schöner. Die Grosseltern waren herzlich, die Tanten überrascht und erfreut, die Gastfamilie hat uns mit viel Liebe aufgenommen. Alles wie immer eigentlich. Nur der neue Hund der Gastfamilie fiel etwas aus dem Rahmen. Er hat jedesmal gezittert und sich versteckt, als wir uns ihm nähern wollten. Schöner Wachhund das :-)

Ja, und dann gings wieder nach Santiago, letzte Besuche machen, shoppen (das tun Frauen manchmal) und wieder mal im Kung-Fu vorbeischauen. Sie kannten mich noch, ich hatte zu Hause extra nochmal den speziellen Gruss geübt (man weiss ja nie), doch den wollten sie gar nicht sehen, sondern freuten sich auch einfach so über meinen Besuch. Meinen letzten Abend verbrachte ich mit meiner Gastschwester und ihrem Freund, war jedoch soooo müde, dass ich bald in die Wohnung zurückkehrte, wo sich ein paar Leute eingefunden hatten, die ich nicht kannte, und die ich bei dem Alkoholpegel, welche sie bereits inne hatten auch nicht mehr kennenlernen wollte. Egal, ich hüpfte zwischen den 2 Millionen Sachen auf dem Boden Richtung Bett und kuschelte mich zwischen 7 Tonnen Kleider und Ramsch auf dem Bett in meinen Schlafsack. Am nächsten Tag war vor allem Packen angesagt. Also ICH hatte schnell gepackt, nur musste ich meinen Rucksack mit fremden Sachen füllen. Dank meiner umwerfenden Spanischkenntnisse und meines späten Check-ins wurde mir kein Übergepäck verrechnet und keiner störte sich an meinen 5000 Handgepäcken, welche wiederum zum Grossteil meiner hermanita gehörten.
Dann kam der Moment des Abschieds. Ich weinte keine Träne. Ganz nach dem Motto: “Wäg däm eine Monet mached mer jetzt ekeis Büro uf”. Wir sehen uns ja bald wieder, hermanita. Und in Chile war ich auch nicht zum letzten Mal. Ich komme wieder. Dann zum 8. Mal :-)

Tag 1
Nach diesen strengen, strengen Strandtagen gings nun auf grosse Reise. Nicht gerade ueber den Ozean, doch aber ueber den halben suedamerikanischen Kontinent. Los gings  morgens um 5 in Montañita. Gute 3h Busfahrt nach Guayaquil, welche ich fast komplett verschlief (was mir verziehen sein moege). Von dort gings zur Busgesellschaft, welche mich in guten 25h nach Lima bringen sollte. Mein Gepaeck dort abgeladen ging ich Reiseproviant kaufen: Brot, Guetsli, Fruechte und etwa 4Liter Wasser. In weiser Voraussicht legte ich naemlich einen Wasservorrat an, den mich durch die Sahara gebracht haette. Und prompt erhlielten wir ein Becherchen Cola und ein Becherchen Fruchtsaft waehrend der gesamten Reise. Dafuer zweimal Reis mit Poulet. Mein Lieblingsmenu! :-)  Doch die schlussendlich fast 28h brachte ich hinter mich, indem ich las, schlief, ass, aus dem Fenster guckte und mir etwa 5 Stummfilme reinzog. Stummfilme,weil auch nach dem 5. Hinweis, die Lautstaerke sei zu niedrig, nichts aenderte. Naja. Von de n Grenzuebergaengen und Passkontrollen gibts nicht viel zu berichten. Einfach nur warten, warten, warten.

Tag 2
Endlich in Lima angekommen bohrte ich so lange nach Informationen, bis ich mit einem oeffentlichen Bus (statt mit einem teuren Taxi) ins Zentrum gelangte, wo ich in Rekordzeit die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten bestaunte und kurz vor dem Eindunkeln wieder bei der Busgesellschaft war. Dort sass ich dann ein bisschen rum, bis die Angestellten Feierabend hatten. Eine der netten jungen Damen hatte naemlich versprochen, mich an den Flughafen zu bringen. Natuerlich nicht mit dem Auto, sondern mit einem grossen Bus, der Feierabend hatte und uns mitnahm, dann mit einem Minibus mit lauter Peruanern und dann doch noch mit einem Taxi, der mich jedoch nur noch einen Bruchteil des urspruenglichen Preises kostete.
Gesund und munter kam ich am Flughafen an, gab mein Gepaeck auf, mampfte peruanischen Fastfood, zahlte mit meinem allerletzten Bargeld die Flughafentaxe, ging durch die Sicherheitskontrolle – und blieb haengen. Da hatte ich doch tatsaechlich mein Taschenmesser, mein Victorinox, im Handgepaeck. Ich, die am Flughafen arbeitet! Eine Katastrophe! Naja, nicht ganz, dann geben wir doch einfach das Handgepaeck auf. Gut, aber dann muessen Sie nochmals die Flughafentaxe bezahlen. Aber ich habe kein Geld mehr! Dann muss das Messer hier bleiben. Neeeiiiiin! Doch. Neeeeiiiin *heulheul* Ja, ich sammelte meine getrunkenen 4l Wasser und wandelte sie in Traenen um, ueberschwemmte den Sicherheitsbereich und machte alle 2 Minuten einen neuen Vorschlag, wie ich das Ganze umgehen koennte, doch das Personal blieb hart. So heulte ich eine halbe Stunde lang Rotz und Wasser, wegen einem alten Taschenmesser. Aber es war nicht irgendeines, es war MEIN Reisetaschenmesser! Dann hatte ich eine glorreiche Idee: meinen grossen Rucksack aus dem Flugzeug ausladen zu lassen, dort hatte ich naemlich noch ein paar chilenische Pesos, welche ich fuer die Flughafentaxe geopfert haette. Eine LAN-Verantwortliche wollte das Ganze dann einleiten und als sie merkte, dass es wohl einfacher war, einfach meinen Tagesrucksack einzuchecken, nahm sie sich meiner an. So hatte ich am Schluss mein Taschenmesser, musste die Flughafentaxe nicht nochmals bezahlen und war endlich mal wieder ausgeheult :-)

Tag 3
Um 4.50h am Morgen hoben wir von Lima ab und kurz vor 7 kam ich in Tacna an. Dort gabs weniger als 10 Checkin-Schalter, ein Gepaeckband und der Ausgang war gleichzeitig der Eingang. Suess!! Mit dem Bus gings ins Stadtzentrum und an den Bahnhof. Ich wollte mit dem Zug ueber die Grenze nach Chile. Nur leider ging das Ding erst am Nachmittag um 4. Immerhin konnte ich mein Gepaeck abladen und machte mich auf einen Stadtspaziergang. So gegen 10 war ich einfach nur todmuede und wollte schlafen. Nur – wo schlaeft man in einer fremden Stadt? Ich waehlte den sichersten Ort und schlief gute 90Minuten im Sitzen auf dem Holzbank der Kathedrale :-) Danach erkundete ich den mercado central, ging ins Ortsmuseum und sparte wo es ging, da ich kaum mehr Geld hatte. Auch eine interessante Erfahrung…
Kurz vor 16h gings zur Pass- und Gepaeckskontrolle. Samen und Pflanzenteile einfuehren verboten. Ich hatte natuerlich aus dem Urwald ein paar Sachen eingepackt, die ich nicht abgeben wollte. “Haben Sie was dabei?” Nein, nur Steine (das war nur halb gelogen, ich hatte auch ein paar Steine dabei). “Gut, danke, auf Wiedersehen”. Und schon sass ich im Klapperzug von Tacna nach Arica. Die Landschaft war alles andere als berauschend, zusammen mit der Hitze sogar eher einschlaefernd. Und dann endlich war ich in Chile, sweet Chile. Kaum angekommen musste ich feststellen, dass wir in einer Stunde Fahrt zwei Stunden Zeitverschiebung eingehandelt hatten. Auweia. Sofort zum Busbahnhof und den ersten Bus nach Iquique nehmen! Nach 4,5h Busfahrt kam ich dann endlich in Iquique an, meiner Enddestination, wo ich von einem Kollegen in Empfang genommen wurde. Mittlerweile war es Tag 4, 00.30h in der Frueh.

Nach vielen, vielen Stunden Reise wollte ich nur noch eines: duschen und frische Kleider anziehen…ins Bett kam ich doch erst gegen 05.00h in der Frueh – der chilenische Ausgang eben. Aber davon spaeter!

So, da war ich nun auf dem Weg zum Strand, genauer gesagt Montañita, eine Partystadt Ecuadors. Nach einem Monat Kaelte, Abgeschiedenheit, Muecken und Dreck wollte ich mal wieder unter die Leute, etwas verrueckt sein und meinen Luxuskoerper an der Sonne brutzeln lassen.

Am Busbahnhof in Guayaquil gabs genau eine grosse Warteschlange: diejenige fuer Tickets nach Montañita. Ich ergatterte ich eine Fahrkarte fuer 16.30h und musste somit noch gute 4h am Terminal verbringen…mit Verspaetung gings dann los und als es schon dunkel war kamen wir an. Ich machte mich auf die Suche nach einer billigen Unterkunft. Schon bald traf ich auf drei flippige Jungs mit Rastas und Rucksaecken, die mich ohne weiteres in ihr Grueppchen aufnahmen und so fanden wir zu viert ein bezahlbares Zimmer.
Danach gings was essen und schon tranken wir etwas Bier am Strand und redeten uns den Mund fusselig. Einer der Jungs (alles Argentinier zwischen 24 und 30) ging frueh schlafen, mit den anderen zwei gings noch zu den Strandbars auf einen Maracaibo und ein Taenzchen. Gegen 5Uhr morgens suchten wir dann unser Hostel und fanden es im etwa fuenften Anlauf. Nein, nicht wegen dem Alkohol, sondern weil wir uns nicht mehr sicher waren, in welcher Strasse das war.

Am naechsten Morgen glaubte ich es schon sehr spaet, sprang aus dem Bett direkt in die Dusche und rannte zum Internet-Cafe. Es war 08.15h. Aber meine Pruefungsergebnisse der Uni waren online. Nur hatte ich in der Eile den Zettel mit dem Passwort auf dem Bett liegen gelassen. Mit schnellen Fuessen rannte ich zurueck und mit zittrigen Fingern tippte ich das Passwort ein. Mein Herz raste und als ich auf der Liste sah: “bestanden” kreischte ich los, sprang herum und haette die Welt umarmen koennen. Ein paar erklaerende Worte spaeter waren auch die Leute um mich herum beruhigt und gratulierten mir. Freudehuepfend ging ich ins Hostal zurueck, nahm die Umarmungen meiner Zimmerkollegen entgegen und wir gingen was essen. Spaeter zog ich alleine los, um eine Tour zur Isla de la Plata fuer den naechsten Tag zu organisieren. Danach pflanzte ich mich zu den anderen an den Strand, ging im warmen (!!) Wasser baden und als Wolken und Nieselregen kamen, ging ich. Der Abend war schon vorprogrammiert: wir mussten meinen Erfolg begiessen. Und haette ich nicht bestanden, haetten wir meinen Misserfolg verdraengen muessen. So oder so war also ein wilder Abend angesagt. Leider war aber nicht viel los, die Lokale wollten wohl fuer die Carnaval-Tage (das kommende Wochenende) sparen. Dennoch gingen wir nochmals etwas unter die Leute, an die Strandbar und in ein anderes Lokal. Ich verabschiedete mich jedoch zeitig, da ich am naechsten Tag frueh los musste.

Nach etwas Schlaf ging ich frueh auf den Bus nach Puerto Lopez, wo ich das noch schlafende Fischerdorf erkundete, einen Fruchtsalat ass und mit etwa 12 anderen Touristen (Ecuadorianer, Kanadier und US-Amerikaner) auf ein Schnellboot verfrachtet wurde. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir die Isla de la Plata, auch Mini-Galapagos genannt, was gelinde gesagt etwas uebertrieben ist. Bei drueckender Schwuele marschierten wir los, sahen viele piqueros de patas azules und piqueros nazca (irgendwelche Entenvoegel die auf dem Weg rumlungerten), ich hatte meine Freude an kleinen herzigen Eidechsen und sah noch ein paar sonstige Voegelchen, da ich immer etwas zurueck blieb und die Gruppe ohne mich loszog. Nach gut 3h bergauf und bergab waren wir wieder am Ausgangspunkt, gingen aufs Boot, assen unsere Lunchbox (also den Inhalt natuerlich) und montierten Schnorchel-Material. Schlotternd stuerzte ich mich mit 42er-Flossen (es hatte keine kleinere mehr) in die Fluten, schluckte ca. 1l Salzwasser, sah ein paar nette farbige Fische und machte naehere Bekanntschaft mit Mini-Quallen. Dann gings auch schon zurueck. Das Fischerdorf war unterdessen zum Leben erwacht und wirkte schon viiiiiel freundlicher so.
Als ich in Montañita ankam wars schon dunkel, ich suchte meine Freunde und fand sie – an der Strandbar :-) Ja, dann war der letzte Ausgang angesagt. Es regnete nicht wenig, die Strassen hatten sich in Schlamm verwandelt. Schon bald ging auch ich barfuss, es war am angenehmsten. Meinen Rucksack hatte ich schon gepackt, denn um 05.00h ging mein Bus nach Guayaquil. Dass ich nicht schlafen wuerde hatte ich auch relativ schnell entschieden, ich musste nur noch die Nacht um die Ohren schlagen. Zum Glueck war das nicht so schwierig – der Strand kochte vor Party. Unser Juengster ging wieder als Erster schlafen, die anderen zwei Jungs nahmen mich netterweise in ihre Mitte, damit ich nicht staendig belaestigt wuerde. Ja, das kann man sich nicht vorstellen! Ich wurde angesprochen, an der Hand genommen, um die Huefte gefasst und begutachtet, auch mit Maennerbegleitung! Aber ich hatte dennoch eine sehr gute und lustige Zeit in dieser Nacht, ging dann gegen 04.30h zum Hostel zurueck, packte meine Sachen und sagte: Adieu Montañita, adieu Strand, adieu Hippies.

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