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“Wenn keine Schönheit
keine Freude und kein Glück
tief in dir selbst,
in deiner eigenen Seele sind,
wirst du sie nirgendwo
auf dieser Welt finden”

Hans Kruppa

“Ist es so, dass alles, was wir tun, aus Angst vor Einsamkeit getan wird? Ist es deswegen, dass wir auf all die Dinge verzichten, die wir am Ende des Lebens bereuen werden? Ist das der Grund, weshalb wir so selten sagen, was wir denken? Weshalb sonst halten wir an all diesen zerrütteten Ehen, verlogenen Freundschaften, langweiligen Geburtstagsessen fest? Was geschähe, wenn wir all das aufkündigten, der schleichenden Erpressung ein Ende setzten und zu uns selbst stünden? Wenn wir unsere geknechteten Wünsche und die Wut über ihre Versklavung hochgehen liessen wie eine Fontäne? Denn die befürchtete Einsamkeit - worin besteht sie eigentlich? In der Stille ausbleibender Vorhaltungen? In der fehlenden Notwendigkeit, mit angehaltenem Atem über das Mineneld ehelicher Lügen und freundschaftlicher Halbwahrheiten zu schleichen? In der Freiheit, beim Essen niemanden gegenüberzuhaben? In der Fülle der Zeit, die sich auftut, wenn das Trommelfeuer der Verabredungen verstummt ist? Sind das nicht wundervolle Dinge? Ein paradiesischer Zustand? Weshalb also die Furcht davor? Ist es am Ende eine Furcht, die nur besteht, weil wir ihren Gegenstand nicht durchdacht haben? Eine Furcht, die uns von gedankenlosen Eltern, Lehrern und Priestern eingeredet worden ist? Und warum sind wir eigentlich so sicher, dass uns die anderen nicht beneideten, wenn sie sähen, wie gross unsere Freiheit geworden ist? Und dass sie nicht daraufhin unsere Gesellschaft suchten?”

aus “Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier, btb-Verlag

Lang ist’s her…

…ja, das mit dem 2. Teil des Reiseberichtes… hat sich wohl erledigt. Das Ganze ging so Schlag auf Schlag, dass schlichtwegs keine Zeit blieb, euch zu berichten, wie es uns auf unserer Reise erging… aber ich kann euch sagen: es war wunderschön, kalt, regnerisch, nass und wir überhaupt gar nicht entsprechend ausgerüstet - à la chilena eben. Wir kamen dennoch gesund (wenn man den üblen Husten, den ich eingefangen hatte als “unerheblich” einstuft) und munter (naja, so gut es sich eben über Nacht in einem ganz normalen Reisebus schlafen lässt) wieder in der Mitte Chile’s an. Dort hüpfte ich dann morgens kurz nach Sonneaufgang alleine auf der Autobahn aus dem Bus und nahm einen kleinen Pendlerbus nach San Vicho, um mich von meiner chilenischen Familie (inkl. Grosseltern und Tanten) zu verabschieden… dann gings zurück nach Santiago, wo packen angesagt war und wieder Abschied nehmen. Es war eine kurze Nacht und schon war ich wieder am Flughafen. So 5,5 Monate sind einfach eine verdammt kurze Zeit… :-(

Auf Reisen Teil I

Am Sonntag, 30.03.2008, gings von Santiago über die Anden nach Mendoza. Zuerst schwitzte ich jedoch noch Blut und Wasser, da meine Begleitung über eine halbe Stunde zu spät aufkreuzte. Also eigentlich warens insgesamt eine Stunde und 30 Minuten, aber 30 Minuten nach geplanter Abfahrt des Busses, dessen Chauffeur netterweise auf ihn wartete, und mit ihm alle Passagiere… naja, wir kamen dennoch gut in Mendoza an und suchten uns als erstes eine einigermassen billige Unterkunft. Die fanden wir auch, nachdem wir fast eine Stunde mit unseren Rucksäcken durch die Strassen stapften. Die nächsten zwei Tage erkundeten wir Mendoza, den riiiiiesigen Park (San Martín) und die Stadt.
Am Dienstagabend wagten wir uns in ein Kung-Fu-Probetraining etwas ausserhalb von Mendoza, ein anderer Kung-Fu-Stil als derjenige, den wir trainierten, aber ist ja alles etwa ähnlich. Meine Begleitung erwähnte nicht, dass er eine ziemliche Ahnung hat. So kamen wir in den Genuss von Anfängerinstruktionen und Basis-Übungen. War auch ok. Als sie merkten, dass wir keine blutigen Anfänger mehr waren, liessen sie uns mit den Fortgeschrittenen kämpfen. Huiiii war das lustig. Das Niveau war nicht besonders, denn sogar ich platzierte einige Schläge und kassierte beinahe nichts ;-)

Am Mittwoch gings am Morgen früh zu den Thermen Cacheuta. Wir hatten die glorreiche Idee, den Bus um 7.00h zu nehmen, mit Ankunft um 08.10h in Cacheuta, um schön früh baden gehen zu können (wir bekamen die Information, dass die Thermen um 09.00h aufmachen). Leider klappte dieser Plan nicht wirklich, denn Öffnung war um 10.00h. So froren wir uns unsere Extremitäten ein wenig ab & genossen dafür umso mehr die heissen Bäder.

Dann gings gegen Mittag nach San Rafael, etwa 3,5h südlich von Mendoza. Dort machten wir etwas Sight-Seeing by night und organisierten uns eine Tour für den nächsten Tag zum Cañón del Atuel. Dieser Ausflug war auch wirklich toll und es gab sehr schöne Fotos, obwohl am Abend zuvor der Bildschirm meiner heiligen Kamera zerbrach (Sucher habe ich keinen, d.h. wir fotografierten “blind” und wild drauflos :-) ). Wir liessen uns auf ein kleines Rafting-Abenteuer ein. War super, nicht zu wild, aber für solch blutige Anfänger wie wir es waren, wars perfekt, wir wurden schön nass & paddelten auch tüchtig nach Anleitung des Guides. Zurück in San Rafael kauften wir Tickets nach Bariloche, gute 14h südlich von San Rafael, und ein Schoggi-Paradies.

Das versprochene Frühstück im Bus war ein Tee mit einer kleinen Süssigkeit, das Mittagessen drei pampige Sandwiches mit Käse und Schinken, aber besser als nichts… So kamen wir gestern (Freitag, 04.04.200 8) am frühen Nachmittag in Bariloche an, besorgten einen Haufen Touri-Infos, organisierten uns einen Camping (ich wollte unbedingt campen gehen, für etwas schleppte ich das Zelt ja mit mir rum, nicht wahr) und erkundeten ein bisschen das Stadtzentrum, so gut es ging mit unseren grossen Rucksäcken. Dann nahmen wir die 13,5km zum Camping auf uns, natürlich mit dem Bus. Das Zelt aufgestellt, endlich geduscht (die letzte Dusche war nach dem Rafting, ohne Seife), gings zurück zum Stadtzentrum. Es schien ziemlich ausgestorben, kaum Pubs oder Bars, die Restaurants eher teuer. So kauften wir halt ein bisschen Schokolade (die wirklich FEIN war, aber an die Schweizer Schoggi kommt sie nicht heran - logisch) und schlenderten durch die Strassen Bariloches. Per Zufall fanden wir ein Pub mit Billard, das noch etwas ausgestorben war, aber es wurde uns versichert, es werde voll werden an diesem Abend. So spielten wir halt eine Weile Billard. Es kamen tatsächlich ziemlich viele Leute & meine Begleitung fühlte sich so wohl, dass wir einen Bus nach dem anderen “verpassten” und schlussendlich kurz vor 05.00h ins Zelt fielen. Nachdem wir beinahe erfroren in den frühen Morgenstunden (ja, es fehlte richtig gutes Haik-Material), wurden wir durch Regen geweckt. Es war doch schon nach Mittag. Leider fehlt uns gutes Regenzeugs (immerhin hat das Zelt bisher dicht gehalten), so bleibt uns vorerst nichts anderes übrig, als bessere Zeiten abzuwarten & in die Stadt zu gehen. Der geplante “Rundgang” dem See entlang & die Hügel hinauf - daraus wird leider nichts. Morgen müssen wir auch wieder weiter, über die Anden - Chile erwartet uns! :-)

Und dies, liebe Leute, war unsere Reise bis heute. Eine knappe Woche bleibt noch. Ich halte euch auf dem Laufenden!

So, liebe Liebenden. Es ist Zeit, dass ihr erfahrt, wie meine ominöse Begleitung aussieht… nicht erschrecken, er ist harmlos (nur nicht immer ganz so photogen..)  ;-)

Posicion   Telefono   yo y el I   yo y el II   yo y el III

Am Samstag glaubte ich, sterben zu müssen. Dies tat ich auch laut kund, indem ich stöhnte und jammerte ob Muskelschmerz, Schädelbrummen und Schweissausbrüchen und ich verzerrte effektvoll mein Gesicht jedesmal wenn ich schluckte (selbst Spucke war schmerzvoll). So schleppte ich mich in die Apotheke, wo mir Paracetamol verkauft wurde. Dieses bewirkte jedoch nur, dass ich mich nach einer beinahe schlaflosen Nacht einigermassen plem-plem am nächsten Tag bei 30Grad im Schatten nach Santa Cruz schleppte, ans Traubenernte-Fest (fiesta de la vendimia, www.rutadelvino.cl), wo ich an einigen Neinen wippte, äh, Weinen nippte und genauso plem-plem wieder nach Santiago zurückfuhr. Dort kaufte ich mir dann ein richtiges Grippe-Medikament (war auch richtig teuer).

Am Montag glaubte ich mich schwer krank & meldete mich bei der Arbeit ab, schlief bis Mittag, ass den ganzen Tag nur Glacé (war gut für den Rachen aber schlecht für die Figur), blieb bis ca. 2Uhr früh auf und ging am nächsten Tag gerädert und unter Medikamenteneinfluss zur Arbeit.
Dort wurden wir gegen Mittag nach San Antonio an eine Sitzung geschickt. San Antonio ist neben Valparaíso der wichtigste Hafen und etwa die hässlichste Stadt Chiles. Die Reise war etwa doppelt so lange wie die Sitzung, aber wir bekamen alles bezahlt, sogar den Fast-Food, den wir als Mittagessen verdrückten, da es kein Restaurant in der Nähe gab, nur Schnellimbisse.

Zurück in Santiago ging ich zielstrebig ins Training. Einer Einladung von Kollegen meines Mitbewohners, mit ihnen (4 Männer) an eine Studentenparty in einem der In-Clubs in Santiago (www.kmasu.cl) zu gehen, konnte ich nicht widerstehen. Natürlich gabs dort Bier, Rauch & es wurde spät. Sehr spät. Oder eher früh. Frühmorgens fiel ich ins Bett und merkte nicht, dass meine Fenster an meinem Kopfende sperrangelweit offen stand.
Tja, heute bin ich erkältet…

Und die Moral von der Geschicht?
Ich bin ein Mann, weil:
- nur Männer glauben, sie sterben wenn sie mal ein Grippevirchen kitzelt
- nur Männer ohne nachzufragen kaufen, was ihnen unter die Nase gehalten wird
- nur Männer so unvernünftig sein können und noch in der Rekonvaleszenz a) Alkohol trinken b) in den Ausgang gehen c) trainieren
- nur Männer ins Bett fallen, ohne vorher zu kontrollieren, ob der Herd ausgeschaltet, die Tür verriegelt, die Pflanzen gegossen oder aber eben das Fenster geschlossen ist

Tja… :-)

Man entkommt ihnen nicht. Täglich entern sie die feierabendgefüllten Micros (Stadtbusse) mit Gitarre, Rasseln, Keyboard, Bongos etc. um die ernsten Gesichter der Heimkehrer etwas aufzuhellen. Mit unterschiedlichem Erfolg. Ab und zu hat es wirklich begabte Musiker. Einer hat sich mal mit einem Keyboard auf den Boden gesetzt und klassische Stücke mit beeindruckenem Können zum Besten gegeben. Da kramte sogar ich eine Münze hervor. Oder ein anderer Solokünster, der mit einem Schellen-Tambourin und seiner Stimme eine Cumbia hinschmetterte dass man glaubte, ein 5köpfige Band spiele. Zum Lachen brachten mich hingegen zwei Studenten, die mit ihren Gitarren erstaunlich gute Beatles-Songs hinlegten, jedoch den englischen Text nach Gehör nachsangen und wohl den Originaltext nie gesehen haben. Ja, das war ziemlich amüsant, ich konnte mir eine Bemerkung (”gut gespielt Jungs, aber am Text müsst ihr noch etwas feilen”) knapp verkneifen :-)

Gestern und heute jedoch erwischte ich schlechte Performer. Gestern wars ein Jüngling, der sich Gangster glaubte und mit Inbrunst irgendwas zusammenrappte. Gleich neben mir. Das fand ich einerseits ärgerlich, andererseits musste ich auch bei ihm schmunzeln. Und heute Morgen - ja das war schon eher bemitleidenswert. Da misshandelte ein schon etwas bejahrter Mann eine Gitarre und krächzte einen Text dazu, dass einem Angst und Bange wurde. Ich stellte meinen MP3-Player auf volle Lautstärke, aber auch als ich kurz  vor einem Trommelfellriss und Tinitus war, drang die jämmerliche “Musik” bis zu meinem Hörorgan durch. Nein, es gab kein Entkommen. Und der gute Mann wollte sich seine Münzen anständig verdienen und spielte ganze vier Songs. Ich glaubte, die Micro wechseln zu müssen, als ich doch noch an meinem Endziel ankam.

Einerseits ist das Selbstvertrauen der singenden und musizierenden Männer (Frauen sieht man ganz, ganz selten) unglaublich, ja fast schon bewundernswert. Andererseits glauben einige, verkannte Music-Stars zu sein und sind sich nicht bewusst, dass es eher nach eingeklemmten Zehen als einem Schmusesong tönt…

Mirageman

Ein Applaus und Hut ab für die genial gelungene chilenische Antwort auf die nordamerikanischen Superhelden-Filme.

               Mirageman I                      Mirageman II
Gestern war ich an der Premiere von Mirageman, einer der besten chilenischen Filme. Hat auch international für Aufsehen gesorgt (Montréal, Austin) und wird in den USA gezeigt (alles andere als selbstverständlich für einen chilenischen Film!). Kommt noch dazu, dass die “Wohnung” des Hauptdarstellers (Marko Zaror, den kenne ich auch persönlich, Ex-Double von The Rock [!!]) das etwas veränderte gimnasio ist, wo ich Kung-Fu trainiere. Aus dem Stunt-Team kenne ich mehrere persönlich, einer davon ist meine ominöse Begleitung ;-)

Schon cool, man ist mittendrin statt nur dabei, zumal “chilenisch” geredet wird (und nicht einfach spanisch - jaaaa, das sehr wohl ein Unterschied!), die Szenen in Santiago spielen (das ist wie bei Snow White, die besten Szenen sind diejenigen, bei denen man den Ort kennt wo gedreht wurde) und man eben einige der Schauspieler und Stuntmen persönlich kennt (und sie dich auch, das ist fast noch besser ;-) ).

Deshalb an alle Piraten-Film-Download-Junkies oder wasauchimmer: MIRAGEMAN ist der neue Superman, nicht verpassen! :-)

Umzug II

Umzug zum 1., Umzug zum 2., Umzug zum 1000. Seit ich in diese Anwaltskanzlei gekommen bin, habe ich bestimmt schon 5x meinen Arbeitsplatz gewechselt. Und heute war es mal wieder soweit. Leider.

Ganz zu Beginn war ich in einem eigenen, grossen Büro (demjenigen eines Partneranwaltes, der auch im “Consejo del Estado” arbeitet & dort natürlich ein 100x besseres, grösseres und schöneres Büro hat, abgesehen von seiner Kanzlei in Valparaíso, und somit nie hier in Santiago ist). Es hatte eine Fensterfassade, wunderschön, tolle Aussicht, nur leider keine Sonnenstoren, weshalb ich regelmässig einen unfreiwilligen Saunagang absolvierte - den gesamten Morgen lang. Dann wurde ich in ein anderes Büro verfrachtet, jedoch nur kurze Zeit, bevor ich wieder in mein erstes Büro zurückdurfte. Unterdessen wurde im Büro fleissig umgebaut, die Mini-Bibliothek (und unser Ort, wo wir zu Mittag assen) verschwand, dafür entstanden vor kurzem 3 kleinere Büros für die Junganwälte und aus dem Nichts (das heisst, der Wand) entstand kurz nach Weihnachten ein kleiner Käfig für die “Angestellten”, also diejenigen Sklavenarbeiter zwischen der Sekretärin und den Anwälten :-)
Dann wurde es lustig: ich wurde nämlich mit 3 anderen in diesen Käfig verfrachtet. Immerhin konnten wir Musik hören, plaudern - man war jedenfalls nie alleine. Aber es war ein bisschen eng, wenn eine aufstehen wollte, mussten die anderen ihre Stühle rücken. So ging das nun eine ziemliche Weile relativ gut. Nun sind jedoch die Renovationsarbeiten abgeschlossen und die Junganwälte konnten ihre neuen Büros beziehen. Somit wurde ich aus dem Käfig ins ehemalige Büro eines der flügge gewordenen Anwälte verwiesen. Aber es ist ein bisschen öde hier, und vor allem KALT, denn mein Büronachbar ist ein Pinguin (so nennen wir die Leute, die am liebsten 10 Grad Zimmertemperatur haben und somit die Klimaanlage auf Hochtouren laufen lassen). Das heisst für mich: Pullover montieren und Wollsocken einpacken… *seufz* Und keine Musik, jedenfalls für den Moment nicht (ich muss eine Lösung finden, allenfalls etwas mit meinem MP3). Immerhin funktioniert das Internet, was auch keine Selbstverständlichkeit ist, seit wir solche Probleme hatten in letzter Zeit. Naja, es bleiben noch 2,5 Wochen hier… das werde ich überleben :-)

Ooooooh…

…nie wieder gehe ich unter der Woche in den Ausgang (www.klubmangosta.cl). Da wir erst spät loszogen, blieben wir auch entsprechend länger und nun kämpfe ich gegen den Schlaf, der mit 1,5h nicht gerade erholsam war… oooooh, ich bin zu alt für solche Verrücktheiten… :-o

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