Nach anstrengenden drei Reisetagen kam ich endlich in Iquique an, wo ich freundlich in Empfang genommen wurde, und zwar von einem Kollegen, den ich kaum kannte. Wir lernten uns im Jahr zuvor in Santiago in meiner WG kennen, als er ausgerechnet dann in die Küche platzte, als ich Avocado mit dem Löffel direkt aus der Schale ass. Er fand das dermassen interessant, dass er mich nach Iquique einlud. Dieser Einladung folgte ich dann auch, ein Jahr später. Wir verbrachten drei nette Tage bei Sonne und warmen Temperaturen, gingen an den Strand, besuchten seinen Arbeitsort, gingen jeden Abend in den Ausgang, schliefen bis zum Mittag, gingen in ein Shoppingcenter (und nahmen an einem Wettbewerb teil – gewonnen haben wir aber glaube ich nicht) und erkundeten etwas die Umgebung. Erwähnenswert ist jedoch seine anständige Zurückhaltung (ganz und gar nicht chilenisch eigentlich!) und die obligate Avocado-Zusatzbestellung für mich bei jedem (!) Essen…
Dann gings auch schon weiter Richtung La Serena, wo mich meine hermanita (chli aber oho) nach 18h Busfahrt erwartete. Sehnsüchtig erwartete. Wir verbrachten wiederum ein paar nette Tage bei heiter Sonnenschein und netten Leuten, bevor es mit einem noch nie erlebten Geschleik auf den Bus nach Santiago ging. Das Beste war jedoch die Aussage meiner hermanita: „Ich ha gar nöd so vill Sache!“ Neeeeiiiiin. Wir schleppten uns fast zu Tode und entgingen der Rush-Hour in Santiago nur um ein paar Minuten, bevor wir keuchend und schweissüberströmt in der Wohnung einer Kollegin ankamen. Dort hiess es erstmal Rucksack räumen und nur das „Nötigste“ in den Süden mitnehmen. Mit 9kg Essen insgesamt und etwa gleich viel Kleidern und anderes Material (pro Person) ging es am selben Abend mit dem Flugzeug nach Puerto Montt. Dann verbrachten wir nette 5 Tage im Süden Chiles (Details siehe chliaberoho.wordpress.com). Noch zu erwähnen wäre unser nettes Trekking im Nationalpark Vicente Perez Rosales de la Fuente Gonzalvez Maria de Jesus Hernandez Fernandez Rodriguez. Die ausgesprochen genaue Karte und die noch besseren Erklärungen der Parkwächter (nach dem vierten trockenen Flussbett links den Berg hoch) liessen uns sehr schnell den falschen Weg nehmen. Es war dennoch hübsch, nur die Wespe hätte mich nicht unbedingt stechen müssen. Nein, halt, Wespen stechen nicht in Chile, sie beissen. Auch gut. Hat ordentlich zugebissen die Kleine…
Im Hostel in Puerto Varas assen wir dann noch nettes hot Thai-Curry (die ganze Paste war vermutlich NICHT für 2,5dl Kokosmilch gerechnet, aber die musste weg). In Chiloe gönnten wir uns eine Schale Heidelbeeren für stolze 2.-CHF und trotz Schaudern und aufgestellten Nackenhaaren besuchten wir konsequent jeden Fischmarkt, insbesondere die Sektion, wo die Viecher auseinandergeschnitten, -gerissen und vermantscht werden. Ein Spektakel für sich. Am Samstagabend gings dann sogar noch auf zum carrete in Puerto Montt. Selten habe ich so viele nicht-schöne Männer auf einem Haufen gesehen. Nicht dass sie alle hässlich waren, so wars dann doch nicht. Doch es war auch kein schöner Herr auszumachen. Immerhin waren sie nicht aufdringlich, das war schon sehr viel wert!
Dann waren die schönen Tage im sonnigen (!) Süden auch schon wieder vorbei und auf gings nach San Vicente de Tagua-Tagua.
Dort erwartetet uns ein Besuch-Marathon. Es war aber ein schöner. Die Grosseltern waren herzlich, die Tanten überrascht und erfreut, die Gastfamilie hat uns mit viel Liebe aufgenommen. Alles wie immer eigentlich. Nur der neue Hund der Gastfamilie fiel etwas aus dem Rahmen. Er hat jedesmal gezittert und sich versteckt, als wir uns ihm nähern wollten. Schöner Wachhund das
Ja, und dann gings wieder nach Santiago, letzte Besuche machen, shoppen (das tun Frauen manchmal) und wieder mal im Kung-Fu vorbeischauen. Sie kannten mich noch, ich hatte zu Hause extra nochmal den speziellen Gruss geübt (man weiss ja nie), doch den wollten sie gar nicht sehen, sondern freuten sich auch einfach so über meinen Besuch. Meinen letzten Abend verbrachte ich mit meiner Gastschwester und ihrem Freund, war jedoch soooo müde, dass ich bald in die Wohnung zurückkehrte, wo sich ein paar Leute eingefunden hatten, die ich nicht kannte, und die ich bei dem Alkoholpegel, welche sie bereits inne hatten auch nicht mehr kennenlernen wollte. Egal, ich hüpfte zwischen den 2 Millionen Sachen auf dem Boden Richtung Bett und kuschelte mich zwischen 7 Tonnen Kleider und Ramsch auf dem Bett in meinen Schlafsack. Am nächsten Tag war vor allem Packen angesagt. Also ICH hatte schnell gepackt, nur musste ich meinen Rucksack mit fremden Sachen füllen. Dank meiner umwerfenden Spanischkenntnisse und meines späten Check-ins wurde mir kein Übergepäck verrechnet und keiner störte sich an meinen 5000 Handgepäcken, welche wiederum zum Grossteil meiner hermanita gehörten.
Dann kam der Moment des Abschieds. Ich weinte keine Träne. Ganz nach dem Motto: „Wäg däm eine Monet mached mer jetzt ekeis Büro uf“. Wir sehen uns ja bald wieder, hermanita. Und in Chile war ich auch nicht zum letzten Mal. Ich komme wieder. Dann zum 8. Mal